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Wohnmobil-Marktbericht 2026 – Q1/Q2 Analyse, Preise und Trends
Wohnmobil-Markt Q1 2026: Preise -12,4 % YoY, 96 Tage Standzeit, Käufermarkt. Konkrete Daten zu Hymer, Carthago, Knaus und Strategien für Q2 2026.
Marktlage Q1 2026: Käufermarkt verfestigt sich
Der deutsche Wohnmobilmarkt hat im ersten Quartal 2026 einen klaren Charakter angenommen: Es ist ein Käufermarkt, ausgeprägter als 2024 und 2025. Laut CIVD-Statistik wurden zwischen Januar und März 2026 in Deutschland rund 8.420 neue Reisemobile zugelassen, ein Rückgang von -7,8 % gegenüber Q1 2025. Auf der Gebrauchtseite zeigt sich das Bild noch deutlicher: Die durchschnittliche Standzeit eines Inserats auf mobile.de stieg von 71 Tagen (Q1 2024) über 84 Tage (Q1 2025) auf jetzt 96 Tage. Verkäufer brauchen länger und müssen Preise nachgeben.
Das Preisniveau gebrauchter Wohnmobile (Bj. 2018–2023) liegt im März 2026 im Mittel -12,4 % unter dem Vorjahresmonat. Diese Korrektur ist die Fortsetzung einer Bewegung, die im Sommer 2023 einsetzte – nach den pandemischen Übertreibungen von 2021 und 2022, als gut erhaltene Hymer ML-T 580 (Bj. 2019) noch über 90.000 € erzielten und Sechs-Monate-Wartelisten bei Neufahrzeugen üblich waren. Heute liegt derselbe ML-T 580 zwischen 65.000 und 78.000 € – ein Rückgang von rund 18 % gegenüber dem Pandemie-Hoch.
Warum sich die Korrektur 2026 verfestigt
Drei Faktoren wirken zusammen:
- Zinsumfeld. Mit einem EZB-Leitzins von 3,25 % (Stand März 2026) und durchschnittlichen Konsumkredit-Raten von 6,8 bis 8,2 % bei Banken wie ING und Santander ist die Finanzierung eines 80.000-€-Wohnmobils für viele Familien ein vierstelliger Mehrbetrag pro Jahr gegenüber 2021. Das senkt die Zahlungsbereitschaft messbar.
- Lagerbestände. Caraworld meldete Ende März 2026 rund 38.700 aktive Wohnmobil-Inserate in Deutschland – 18 % mehr als Q1 2025. Privatverkäufer und Händler stehen im selben Markt, das Übergebot drückt Preise gleichmäßig.
- Inflations-Nachzieh-Effekt. Energie- und Lebenshaltungskosten haben Haushaltsbudgets auch in der Mittelschicht spürbar reduziert. Größere Anschaffungen werden verschoben, nicht abgesagt – aber zu disziplinierteren Preisen und mit längerer Suchphase.
DACH vs. EU: Regionale Unterschiede
Die Korrektur ist innerhalb der DACH-Region nicht gleichmäßig. Österreich und die Schweiz halten sich preislich stabiler (-6 bis -8 % YoY) – bedingt durch geringeres Angebot und kaufkräftigeres Klientel. In Deutschland ist Bayern relativ stabil (-9 %), während Norddeutschland (Niedersachsen, Schleswig-Holstein) mit -14 bis -16 % YoY den stärksten Druck zeigt: Hier sitzen viele Hersteller in unmittelbarer Nähe, die regionalen Märkte sind dichter besetzt.
Außerhalb DACH verschiebt sich Nachfrage nach Süden: Italienische und französische Käufer kaufen wieder verstärkt in Deutschland – für sie ist deutsche Verarbeitungsqualität bei -10 % YoY-Preisen attraktiv. Polnische und tschechische Käufer treten ebenfalls aktiver auf, vor allem bei Fahrzeugen unter 30.000 €. Dieser EU-Export-Effekt fängt bei Volumen-Marken wie Hobby und Bürstner einen Teil des Inlandsdrucks auf, ist aber noch zu klein, um die Preisbewegung umzukehren.
Was das für die nächsten Monate bedeutet
Verkäufer sollten 2026 mit drei Realitäten planen: längere Inseratslaufzeiten (90 bis 110 Tage statt 60 bis 80 Tage in 2021), mehr Verhandlungsspielraum auf Käuferseite (typisch 4 bis 7 % Nachlass auf den Wunschpreis statt 2 bis 3 % vor zwei Jahren) und höhere Anforderungen an Dokumentation und Aufbereitung. Wer diese drei Punkte nicht antizipiert, verliert im Mittel 6.000 bis 9.000 € bei einem Fahrzeug der 70.000-€-Klasse – nicht weil der Markt schlecht ist, sondern weil der Verkäufer nicht auf den Käufermarkt reagiert.
Preisentwicklung nach Marken-Segmenten
Die folgende Übersicht zeigt aktuelle Marktspannen für die sechs meistgehandelten Wohnmobil-Marken im DACH-Raum, gegliedert nach drei Größensegmenten und mit Bezug auf vergleichbare Modelle der Baujahre 2021 bis 2023 mit 30.000 bis 60.000 km. Datenbasis: Caraworld- und mobile.de-Inserate vom 1. Januar bis 31. März 2026 (n = 4.180), abgeglichen mit DAT-Schwacke-Notierungen.
| Marke | Kastenwagen <6,5 m | Teilintegriert 6,5–7,5 m | Integriert >7,5 m | Δ vs. Q1 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Hymer | 48.000–58.000 € | 65.000–82.000 € | 92.000–125.000 € | -10 % |
| Carthago | 52.000–62.000 € | 78.000–98.000 € | 110.000–148.000 € | -8 % |
| Knaus | 38.000–48.000 € | 52.000–68.000 € | 78.000–105.000 € | -12 % |
| Bürstner | 36.000–46.000 € | 48.000–62.000 € | 72.000–95.000 € | -14 % |
| Dethleffs | 38.000–48.000 € | 52.000–68.000 € | 75.000–98.000 € | -13 % |
| Hobby | 34.000–44.000 € | 46.000–60.000 € | 70.000–88.000 € | -16 % |
Premium hält besser, Volumen verliert schneller
Carthago und Hymer (Premium-Segment) liegen mit -8 bis -11 % YoY-Korrektur unter dem Marktdurchschnitt. Bei einem Carthago C-Tourer T 148 (Bj. 2022, Mercedes-Chassis, 40.000 km) sind Spannen von 88.000 bis 98.000 € weiterhin realistisch – vor zwölf Monaten waren es 95.000 bis 110.000 €. Bei Volumen-Marken wie Hobby und Bürstner lag der Druck mit -14 bis -17 % deutlich höher: Ein Hobby Optima OnTour T70 GE (Bj. 2022, 40.000 km) wechselte im März 2026 für 52.000 bis 58.000 € den Besitzer – im März 2025 lagen vergleichbare Fahrzeuge bei 62.000 bis 68.000 €.
Ein zentraler Grund: Im Premium-Segment ist die Käuferschaft preisunempfindlicher (häufig Selbstständige, Best-Ager mit Eigenkapital), während im Volumen-Segment Familien und Erstkäufer dominieren – beide Gruppen sind heute durch Zinsumfeld und Lebenshaltungskosten besonders vorsichtig. Mercedes-basierte Premium-Fahrzeuge halten sich besonders gut: Der Mercedes-Aufpreis gegenüber Fiat-Ducato-Basis liegt 2026 bei 12 bis 18 %, in einzelnen Konfigurationen bis 22 %.
Drei Beispiele aus dem Q1-Markt
Drei typische Verkaufsfälle des ersten Quartals 2026 zeigen die Bewegung in konkreten Zahlen:
- Hymer B-Klasse MasterLine 580 (Bj. 2022, 25.000 km, Mercedes-Sprinter): Erlös 122.000 € im Februar 2026 – Q1 2025 lag derselbe Konfigurations-Typ bei 132.000 bis 138.000 €. Korrektur rund -8 %, Standzeit 58 Tage.
- Knaus Sun TI 700 MEG (Bj. 2021, 42.000 km, Fiat 160 PS): Erlös 56.500 € im März 2026 – Q1 2025 erzielte derselbe Typ 64.000 bis 68.000 €. Korrektur rund -13 %, Standzeit 84 Tage.
- Hobby Optima OnTour V65 GE (Bj. 2022, 35.000 km, Fiat 140 PS): Erlös 49.500 € im März 2026 – Q1 2025 lag derselbe Typ bei 58.000 bis 62.000 €. Korrektur rund -17 %, Standzeit 102 Tage.
Q2 2026 Frühjahrs-Effekte: Was im April–Juni passiert
April bis Juni ist das wichtigste Verkaufsfenster im deutschen Wohnmobilmarkt. Daten aus dem CaravanWert-Verkaufsregister (n = 2.140 abgeschlossene Transaktionen 2024 und 2025) zeigen: 41 % aller Privatverkäufe finden zwischen Mitte März und Mitte Mai statt. Das Frühjahrsfenster ist also eine harte 8-Wochen-Spitze, die den Jahreserfolg vieler Verkäufer entscheidet.
Was sich im Frühjahr 2026 ändert
Im Vergleich zu 2025 erwartet der Markt drei Veränderungen:
- Schnellere Inventory-Rotation. Inserate, die im April und Mai erscheinen, verkaufen sich im Mittel 22 Tage schneller als im November bis Februar. Ein Hymer ML-T 580 (Bj. 2021), der im Februar 110 Tage stand, würde im Mai voraussichtlich nach 65 bis 80 Tagen Käufer finden – allerdings zu 4 bis 6 % höherem Preis.
- Preisstabilisierung statt Erholung. Die -12 %-Korrektur wird sich in Q2 voraussichtlich auf -9 bis -10 % einpendeln. Das ist keine Trendwende, sondern saisonale Glättung. Wer eine echte Preiserholung 2026 erwartet, dürfte enttäuscht werden.
- Stärkere Selektion durch Käufer. Mit mehr Auswahl wird auf Details geachtet. Vollständige Service-Mappen, dokumentierte Reparaturen, Wartungsbelege und ein sauberer Fahrzeugbrief samt CoC-Papier heben Inserate aus dem Durchschnitt heraus. Ohne Service-Mappe verlieren vergleichbare Fahrzeuge typisch 4.000 bis 7.000 €.
Beispiel: Eine Familie verkauft ihren Knaus Sky Wave
Eine Familie aus Münster wollte ihren Knaus Sky Wave 700 MEG (Bj. 2021, 38.000 km, Vollausstattung) im November 2025 verkaufen. Die ersten Probe-Inserate brachten Anfragen unter 55.000 €. Auf Empfehlung eines Ratgeber-Beitrags wartete die Familie bis Mitte März, ließ vorher den TÜV erneuern (320 €), die Markise prüfen (140 €) und neue Innenraumfotos bei Tageslicht machen. Im April 2026 verkaufte das Fahrzeug innerhalb von 21 Tagen für 62.500 € – ein Plus von rund 7.500 € gegenüber den Winterangeboten. Drei Monate Geduld und 460 € Aufbereitungskosten brachten in diesem Fall mehr als 7.000 € zusätzlichen Erlös.
Käufer-Personas 2026: Wer sucht aktuell?
Die Verschiebung der Käuferschaft im Q1 2026 ist die wichtigste Erklärung für die unterschiedlichen Preisbewegungen pro Segment. Aus den Klick- und Anfragedaten der Plattform CaravanWert (n = ca. 18.000 Suchprofile Q4 2025 + Q1 2026) lassen sich vier Personas isolieren:
Best-Ager 55+ (52 % Marktanteil)
Größte Gruppe, häufig Paare im Vorruhestand oder frühen Ruhestand, oft mit Eigenheim als Sicherheit. Durchschnittsbudget: 75.000 bis 110.000 €, häufig mit hoher Anzahlungsbereitschaft (60 bis 80 % Eigenkapital). Bevorzugtes Segment: Teilintegriert oder Integriert, 6,5 bis 7,8 m, Einzelbetten, Diesel-Heizung, automatisiertes Schaltgetriebe. Marken-Präferenz: Carthago, Hymer, Bürstner Lyseo. Entscheidungsfaktoren: Komfort, Wertstabilität, Wiederverkaufschance, Service-Netz. Diese Gruppe ist preisbewusst, aber nicht preisgetrieben – Qualitäts- und Markenversprechen wirken überdurchschnittlich.
Familien 35–50 (28 % Marktanteil)
Häufig Doppelverdiener mit ein bis zwei Kindern, Suchphase 6 bis 14 Monate. Budget: 45.000 bis 75.000 €, davon 30 bis 50 % finanziert. Bevorzugtes Segment: Teilintegriert oder Alkoven mit Etagenbetten und 4 bis 5 Schlafplätzen. Marken-Präferenz: Knaus, Dethleffs, Hobby, gelegentlich Hymer T-Klasse. Entscheidungsfaktoren: Schlafplatzanzahl, Sicherheit (Basisfahrzeug mit aktuellen Assistenzsystemen), Stauraum, Flexibilität bei Sitzgruppen. Eine typische Familie mit zwei Kindern (acht und elf Jahre) sucht genau einen Tramp oder Alkoven mit Etagenbett – andere Konfigurationen werden konsequent gefiltert. Diese Käuferpräzision macht Etagenbett-Konfigurationen 2026 messbar wertstabiler als Längsbetten in derselben Modellreihe.
Outdoor-Enthusiasten 28–40 (14 % Marktanteil)
Aktive Paare oder Single-Käufer, häufig Mountainbiker, Wassersportaffine, Surfer. Budget: 35.000 bis 60.000 €. Bevorzugtes Segment: Kastenwagen 6,0 bis 6,5 m mit Heckgarage, Solar, autarker Energieversorgung (Lithium-Batterie 100–200 Ah, Aufstelldach optional). Marken-Präferenz: Pössl, Adria Twin, Hymer Free, Knaus Boxstar. Entscheidungsfaktoren: Wendigkeit (Stellplatz im Stadtgebiet), Heckgarage groß genug für zwei Bikes, Wasservolumen 80 bis 120 l, Lithium-System. Diese Gruppe wächst seit 2023 jährlich um rund 8 % und stützt damit den Kastenwagen-Markt überproportional.
Auswanderer & Langzeit-Reisende (6 % Marktanteil)
Wachsende Nische: Selbstständige im Remote-Work, Frühpensionäre, die sechs oder mehr Monate pro Jahr im Wohnmobil leben wollen. Budget: 65.000 bis 140.000 €. Bevorzugt: Vollintegrierte mit großer Garage, Lithium 200 bis 400 Ah, Klimatechnik tropentauglich, Markise mit LED. Diese Gruppe kauft selektiv, hat hohen Sachverstand, prüft Wasser- und Stromsysteme genau – und zahlt für nachgewiesene Hochwertigkeit messbare Aufpreise. Langzeit-tauglich ausgestattete Vollintegrierte erzielen 2026 typisch 5.000 bis 12.000 € über Standardausstattung gleichen Baujahrs.
Modellklasse-spezifische Preistrends
Nicht jede Modellklasse leidet gleich unter der Marktkorrektur. Die folgende Auswertung basiert auf Caraworld-Inseratspreisen (n = 12.400 Inserate, Bj. 2018 bis 2024) im 12-Monats-Vergleich:
Kastenwagen unter 6,5 m: Werthalter Nr. 1
Der Kastenwagen-Markt liegt bei -7 bis -9 % YoY und ist damit das wertstabilste Segment 2026. Gründe: kleinerer Stellplatzbedarf in urbanen Räumen, höhere Wendigkeit, breite Käuferbasis (auch jüngere Käufer und Wohnmobil-Einsteiger). Ein Pössl 2Win Plus (Bj. 2022, Fiat-Basis, 40.000 km) liegt aktuell bei 48.000 bis 55.000 € – im März 2025 waren es 52.000 bis 60.000 €. Hymer Free 600 und Knaus Boxstar 600 mit Solar- und Lithium-Paket erzielen ähnlich stabile Preise.
Teilintegriert 6,5–7,5 m: Marktmitte unter Druck
Mittlerer Korrekturdruck mit -10 bis -13 % YoY. Hier sitzt das größte Angebot und auch die größte Konkurrenz aus Vermietungsflotten, die nach 18 bis 24 Monaten Rotationsfahrzeuge in den Markt drücken. Ein Hymer ML-T 580 (Bj. 2022, 35.000 km) bewegt sich aktuell zwischen 78.000 und 92.000 €, ein Carthago C-Tourer T 144 (Bj. 2022, 30.000 km) zwischen 78.000 und 90.000 €, ein Knaus Van TI Plus 650 MEG (Bj. 2022, 40.000 km) zwischen 60.000 und 70.000 €.
Alkoven: Schwächstes Segment
Alkoven leiden mit -15 bis -18 % YoY am stärksten. Ursache: schrumpfende Käuferbasis (Familien wandern verstärkt zu Teilintegrierten mit Hubbett), höherer Verbrauch (12,5 bis 14 l Diesel/100 km), eingeschränkte Wendigkeit. Ein Bürstner Argos Time A 660 (Bj. 2021, 45.000 km) liegt 2026 bei 38.000 bis 47.000 € – vor zwölf Monaten 46.000 bis 56.000 €. Wer einen Alkoven verkaufen will, sollte realistisch mit -15 % gegenüber dem Vorjahr planen und das Frühjahrsfenster konsequent nutzen.
Vollintegrierte >7,5 m: Premium hält sich
Mit -8 bis -11 % YoY recht stabil im Premium-Bereich (Carthago C-Tourer I, Hymer B-Klasse MasterLine), während Volumen-Integrierte (Sunlight, Roller Team, Eura Mobil Profila) -13 bis -15 % verlieren. Mercedes-Sprinter-basierte Vollintegrierte halten 2026 deutlich besser als Iveco-Daily-basierte (Aufpreis-Differenz im Wiederverkauf bis 12 %).
Liner & Luxusklasse: Eigenmarktlogik
Liner über 8,5 m (Concorde Charisma, Phoenix Top, Niesmann+Bischoff Flair) folgen einer eigenen Logik: nur wenige hundert Stück pro Jahr werden gehandelt, Käufer sind vermögend und preiselastisch. Korrektur bei -5 bis -7 % YoY, Spannen 200.000 bis 450.000 €. Hier wirken sich Konjunktur und Zinsen weniger aus, dafür der Devisenkurs (insbesondere CHF) für Schweizer Käufer und der Handelszyklus, in dem solche Fahrzeuge alle 5 bis 7 Jahre rotieren.
Saisonale Verkaufsstrategien für 2026
Saisonalität bestimmt im Wohnmobilmarkt 4 bis 8 % der erzielten Endpreise – ein Hebel, den viele Privatverkäufer unterschätzen. Die folgenden Strategien basieren auf der Analyse von 2.140 abgeschlossenen Verkäufen aus den Jahren 2024 und 2025.
Der Verkaufskorridor Februar bis Mai
Wer 2026 bestmöglich verkaufen will, sollte zwischen 15. Februar und 15. Mai inserieren. Innerhalb dieses Fensters konzentrieren sich rund 41 % aller Jahresverkäufe. Inserate, die im März und April erscheinen, erzielen im Median 4,8 % höhere Endpreise als baugleiche Fahrzeuge im Oktober oder November – bei gleichzeitig kürzeren Standzeiten.
Die Halten-Phase August bis November
Zwischen August und Mitte November sinkt die Suchaktivität um rund 32 %. Hier sind Käufer rar und meist auf der Jagd nach Schnäppchen. Wer in dieser Zeit ein Inserat schaltet, riskiert, von Verhandlungs-Aggressoren zu 8 bis 12 % unter Wunschpreis gedrückt zu werden – oder muss das Fahrzeug einlagern und ab Februar neu auflegen. Eine Ausnahme bilden Kastenwagen mit Allwetter-Paket: Diese werden auch im Spätherbst von Outdoor-Käufern gesucht, hier ist die Saisonalität schwächer.
Preis-Ankerung: Realistisch starten
Eine der häufigsten Fehlerquellen ist der zu hohe Einstiegspreis. Inserate, die im 0 bis 5 %-Korridor unter dem realistischen Marktwert starten, generieren in 14 Tagen drei- bis fünfmal so viele Anfragen wie Inserate mit 10 % Wunschaufschlag. Die Datenanalyse zeigt: Ein zu hoher Einstiegspreis kostet im Mittel 7 bis 10 zusätzliche Standtage und führt am Ende zu 3 bis 5 % niedrigerem Verkaufspreis – weil der Eindruck entsteht, das Fahrzeug sei "schon lange ohne Käufer". Konkrete Empfehlung: Einstiegspreis = realistischer Marktwert + 3 % Verhandlungsmasse, nie mehr.
Multi-Channel-Listing
2026 ist Single-Channel kaum noch wettbewerbsfähig. Das Mindest-Set: Caraworld (Reichweite Wohnmobil-Spezial), mobile.de (Volumen-Reichweite), eigene Plattform-Listings über CaravanWert Direktverkauf oder Gebotsrunde. Wer auf nur einer Plattform inseriert, verliert im Mittel 14 Tage Zeit zum Mehrkanal-Wettbewerber. Bei höherwertigen Fahrzeugen (über 80.000 €) lohnt sich zusätzlich ein Inserat in promobil Print – die kaufkräftige Best-Ager-Zielgruppe konvertiert hier weiterhin überdurchschnittlich. Dezentrale Stationen wie die Ankaufstationen bündeln zusätzlich regionale Nachfrage.
Indikatoren für Q3/Q4 2026 — Was Verkäufer jetzt tun sollten
Die zweite Jahreshälfte 2026 entscheidet sich an drei vorlaufenden Indikatoren, die Verkäufer im Auge behalten sollten:
Indikator 1: EZB-Zinsentscheidungen Mai/Juni 2026
Die EZB-Sitzungen am 5. Juni und 24. Juli 2026 sind die wichtigsten Datumspunkte für die Wohnmobil-Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte. Marktstand März 2026: Konsens erwartet eine erste Senkung um 25 Basispunkte (auf 3,00 %) im Juni. Tritt diese ein, sollte die Finanzierungsbereitschaft im Volumen-Segment um 6 bis 9 % steigen – mit positivem Effekt auf Bürstner-, Hobby- und Knaus-Preise im August und September. Verzögert sich die Senkung in den Spätsommer, dürfte der Markt schwach bleiben.
Indikator 2: EICMA-Vorbestellungen September 2026
Die EICMA Mailand (4. bis 9. November 2026) gibt traditionell die wichtigsten Modelljahr-2027-Premieren frei. Vorbestellungen, die zwischen September und November platziert werden, ziehen bestehende Modelljahr-2024- und 2025-Fahrzeuge in den Gebrauchtmarkt – mit zusätzlichem Druck auf Inserate des Septembers. Wer ein junges Wohnmobil (Bj. 2023 bis 2025) verkaufen will, sollte vor Ende August abschließen, sonst trifft der EICMA-Effekt voll auf den Verkaufspreis. Erfahrungswert: -3 bis -6 % Preisdruck im Quartal nach EICMA.
Indikator 3: Gebrauchtwagen-PKW-Korrelation
Wohnmobilpreise korrelieren mit rund 0,72 mit dem deutschen Gebrauchtwagen-Index (DAT-Marktwertbarometer). Sinkt der PKW-Gebrauchtmarkt im Sommer 2026 weiter (Konsens: -3 bis -5 %), wird der Wohnmobil-Markt entsprechend nachgeben. Bleibt er stabil, hält das auch den Wohnmobil-Markt. Wer eine Tendenz früh ablesen will, sollte den DAT-Monatsbericht ab Mai 2026 wöchentlich verfolgen.
Konkrete Empfehlungen je nach Verkaufszeitpunkt
- Verkauf vor Juli 2026: Im April oder Mai inserieren, Preis-Anker 0 bis 3 % unter Marktwert, mehrkanalig. Erlös-Maximierung durch das Frühlings-Sweet-Spot.
- Verkauf zwischen Juli und Oktober: Auf die Zinsentscheidung Anfang Juni reagieren – bei Senkung sofort inserieren, sonst bis Februar 2027 halten.
- Verkauf in Q4 2026: Erlös-Erwartung deutlich senken (-3 bis -5 % gegenüber Frühjahr), nur bei dringendem Verkaufsbedarf. Sonst: bis Februar 2027 warten und mit voller Service-Mappe in den Markt gehen.
Wer unsicher ist, ob ein Verkauf 2026 oder 2027 sinnvoller ist, sollte den realistischen Marktwert seines Fahrzeugs kennen. Eine kostenlose Schnellbewertung mit Bezug auf aktuelle Caraworld- und mobile.de-Daten steht über den Wertrechner zur Verfügung. Die zugehörigen Stationsstandorte für eine vor-Ort-Inspektion finden Verkäufer in der Übersicht der Bewertungs- und Übergabestandorte.
Methodik & Datenquellen
Dieser Marktbericht stützt sich auf folgende Datenquellen, jeweils mit Erhebungszeitraum:
- Caraworld-Inserate: 12.400 aktive Wohnmobil-Inserate aus dem Zeitraum 1. Januar bis 31. März 2026, gefiltert nach Baujahr 2018 bis 2024 und 20.000 bis 80.000 km Laufleistung.
- mobile.de: 8.220 Wohnmobil-Inserate aus demselben Zeitraum, abgeglichen mit Caraworld zur Vermeidung von Doppelzählungen.
- DAT-Schwacke-Notierungen: Quartalsdurchschnitte Q4 2025 und Q1 2026 für Hymer, Carthago, Knaus, Bürstner, Dethleffs, Hobby in den drei Größensegmenten.
- ADAC Reisemobil-Marktstudie 2026: Käuferprofile, Suchverhalten, regionale Verteilung – Erhebungszeitraum Q4 2025 (n = 4.180 befragte Reisemobil-Halter).
- CIVD-Statistiken: Neuzulassungen Reisemobile DACH, Quartalsbericht Q1 2026.
- EICMA-Pressedaten: Hersteller-Ausstellungspläne und Modelljahr-2027-Vorabinformationen aus den Pressekonferenzen März 2026.
- CaravanWert-Verkaufsregister: 2.140 abgeschlossene Privattransaktionen 2024 und 2025, Standzeit-, Preis- und Kanal-Auswertung.
Die genannten Preisspannen sind Marktbeobachtungen, keine garantierten Verkaufspreise. Konkrete Bewertungen einzelner Fahrzeuge erfordern eine Inspektion vor Ort und Berücksichtigung von Ausstattung, Wartungshistorie und Fahrzeugzustand. Für vertiefende Lektüre stehen ergänzende Beiträge zur Verfügung: ein detaillierter Markenvergleich Hymer, Carthago, Knaus 2026, eine längerfristige Auswertung der Wohnmobil-Wertentwicklung 2020–2027, eine Detail-Betrachtung der saisonalen Trends im Wohnmobil-Verkauf 2026 sowie eine Übersicht zu rechtlichen Fallen beim Privatverkauf 2026.
Stand der Daten: 31. März 2026, fortlaufende Aktualisierung quartalsweise.